Wie zertifikate wieder bedeutung gewinnen

Viele Unternehmen oder Teams starten ihren Weg in die Agilität mit dem agilen Rahmenwerk Scrum. Denn Scrum ist leicht zu verstehen und kommt mit wenigen Regeln aus. Und genau das wird oft zur Herausforderung. Mitarbeiter:innen machen Trainings zum Scrum Master und Product Owner und versuchen Scrum in der Organisation umzusetzen. Nach sechs Monaten heißt es dann mancherorts “Scrum funktioniert bei uns nicht”.

Das hat sicherlich vielfältige Gründe, die auch in der Organisation liegen können. Wir möchten heute auf eine mögliche Ursache eingehen: Wie kann das Arbeiten mit Scrum nachhaltig erlernt werden?

ZERTIFIKATE UND DIE PROBLEME DAMIT

Und weil Scrum oftmals nicht so funktioniert wie erhofft werden derzeit Zertifizierung im agilen Kontext oft hinterfragt. Da können in 2-3 Tagen Training Zertifikate erworben werden, ohne dass die Rolle jemals gelebt wurde. 

Aktuell sind die Scrum Alliance und Scrum.org die führenden Organisationen, die verschiedene Möglichkeiten zur Zertifizierung anbieten.

Die Basis-Zertifikate für Scrum Master (CSM) und Product Owner (CSPO) werden bei der Scrum Alliance in 2-3 Tages Kursen angeboten. Seit einiger Zeit, noch relativ unbemerkt, besteht auch die Möglichkeit über Coaching durch Certified Agile Coaches (CAC) zur Zertifizierung zu kommen. 

PSM und PSPO von Scrum.org, erfordern nur das Bestehen eines Assessments. Diese sind günstiger als bei der Scrum Alliance und können sofort abgelegt werden. 

Ein weiterer Unterschied ist, dass die Zertifizierungen der Scrum Alliance inaktiv werden, wenn der Halter der Zertifizierung nicht regelmäßige Weiterbildung nachweist.

Die Zertifizierung, die in 2-3 Tages Trainings oder dem Ablegen eines Assessments erworben werden, belegen erst einmal, dass die Zertifizierten sich mit dem Scrum Guide beschäftigt haben und den Inhalt entsprechend wiedergeben können. Ein tieferes Verständnis dahinter und deren Implikationen für das tägliche Tun wird dabei nicht erworben. Dies kann nur durch intensive Auseinandersetzung und der Erfahrung im Alltag erworben und erweitert werden.

Unser Wunsch war und ist es, nachhaltige Veränderung zu unterstützen. Damit wurde uns klar, dass wir für ein Unternehmen mehr Wert schaffen, wenn wir unsere Kenntnisse und Erfahrung an Mitarbeiter weitergeben und unterstützen, Scrum im Unternehmen zu leben, so dass die Vorteile der agilen Arbeitsweise sichtbar und messbar werden.

Daraus ist die Idee entstanden, einen Raum zu schaffen, in dem gemeinsam in Kleingruppen gelernt und gleichzeitig die Herausforderungen im Arbeitsleben reflektiert und begleitet werden.

MENTORING ALS SCHLÜSSELELEMENT

Initiale Teilnehmende des Programms werden von erfahrenen Agile Coaches begleitet. Diese sind als Mentor:innen dafür da, die Lernenden mit Reflektion und Feedback zu begleiten.

Die Mentor:innen nehmen dabei verschiedene Rollen ein. Agile Coach, Consultant aber auch Vertrauensperson. Sie können neue Techniken mit einbringen, die im speziellen Kontext des Lernenden angewandt werden.

Alle Teilnehmenden können sich in nachfolgenden Programmen als Mentor:innen einbringen und weiterentwickeln. Damit erhalten sie neue Erkenntnisse, Vertiefung und Weiterentwicklung der Lerninhalte.

DIE LERNINHALTE

Im Agile Coaching Competency Framework, werden die Kompetenzen aufgeführt, die wir innerhalb der Reise mit dem Coaching- und Mentoring Programm (Agile Living Movement) systematisch aufbauen, reflektieren und weiterentwickeln.

Kerninhalte werden durch die Learning Objectives der Scrum Alliance für die Rollen Scrum Master, Product Owner und Agile Developer abgedeckt. Damit werden alle Lerninhalte abgedeckt, die für eine Zertifizierung nach Scrum Alliance benötigt werden.

Die Kompetenzen aus dem Agile Coaching Competency Framework gehen darüber weit hinaus. Dafür bietet das Agile Living Movement zusätzliche Elemente an, die zur Entwicklung dieser Kompetenzen führen. 

Da gibt es für die Teilnehmenden regelmäßige Coaching-Dojos, Supervision, Coding-Dojos, Team Huddles für das selbstorganisierte Lernen, Retrospektiven zur Verbesserung der Lernreise und Trainings für Facilitation, Feedback und Kommunikation. Der Kernpfeiler ist die Begleitung durch Coaches und Mentor:innen über die gesamte Zeit für die Reflektion und Unterstützung beim Einsatz im Alltag.

DER BEGINN EINES MOVEMENTS

Nachdem eine Generation beendet ist, steht es den Lernenden frei sich entweder situativ in der Community einzubringen oder selber zu Mentor:innen für nachfolgende Generationen zu werden. Gerade Scrum Master profitieren von der Arbeit als Mentor:in besonders, weil dies ein inhärenter Bestandteil ihrer Rolle ist. 

Durch die Möglichkeit zu Lernen und Wissen weiterzugeben, entsteht ein transformativer Effekt, der dazu beiträgt, dass Scrum nachhaltig ins Unternehmen getragen wird.

Die Teilnehmenden können sich über die unterschiedlichen Bereiche des Unternehmens über Agile Living Movement vernetzen, tauschen sich über ihre Herausforderungen und Erfolge aus und können so voneinander Lernen.

Resilienz, der Umgang mit Veränderung und das Aushalten von Unsicherheit sind wichtige Fähigkeiten für jede Transformation. Das kann mit Coaching Dojos, Supervision und Retrospektiven gemeinsam mit den Kolleg:innen gefördert und entwickelt werden. Daraus entstehen nicht selten Erkenntnisse und Ideen für Initiativen, um Probleme in der eigenen Arbeit, mit Teams und innerhalb der Organisation zu lösen.

Aus einem Lernprogramm wird eine Bewegung, die langsam aber stetig das Unternehmen verändert.

ZERTIFIZIERUNG – NEU ERLEBT

Zertifizierungs-Trainings sorgen für neue Impulse, neue Fähigkeiten, neue Perspektiven und das Erwerben eines Zertifikats. Das ist wertvoll.

Ein Coaching- und Mentoring Programm nutzt diese Effekte und baut sie noch aus, indem das Gelernte gelebt und über die Zeit regelmäßig reflektiert wird. Damit haben wir erlebt, dass Basic Scrum Master, Product Owner und Devolpers bei Abschluss des Programms sich in ihrer neuen Rollen sicher fühlen und wirksamer werden. 

Der große Gewinn für eine Zertifizierung mit einem Coaching & Mentoring Programm liegt darin, dass die Teilnehmenden nicht nur das Wissen erworben haben, sondern darüber hinaus Sicherheit entwickeln, um ihre neue Rolle gut ausfüllen zu können.

Bettina Ruggeri

Bettina Ruggeri

Certified Agile Coach (Scrum Alliance)

Sven Schnee

Sven Schnee

Agile Coach

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